{"id":489,"date":"2017-06-14T15:49:34","date_gmt":"2017-06-14T13:49:34","guid":{"rendered":"http:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=489"},"modified":"2017-06-14T20:49:56","modified_gmt":"2017-06-14T18:49:56","slug":"alte-sitte-und-islam-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=489","title":{"rendered":"Alte Sitte und Islam \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Wer ab und an meinen Blog verfolgt erinnert sich vielleicht, da\u00df ich an anderer Stelle erw\u00e4hnte, in loser Reihenfolge weltanschauliche Themen aufgreifen zu wollen. Allerdings mit Bedacht, weil ich der Meinung bin, da\u00df es niemals politisch werden darf. Das Abstraktionslevel sollte immer so gew\u00e4hlt sein, da\u00df sich heidnisch-religi\u00f6s argumentieren l\u00e4\u00dft, vielleicht noch kulturkritisch, aber niemals politisch. Ich finde, da\u00df man den Kontext nicht verlassen darf, aus dem das Thema gestartet wurde \u2013 auch wenn Themen h\u00e4ufig unterschiedliche Lebensbereiche ber\u00fchren und Grenzen durchaus flie\u00dfend sind. Und dieser Kontext ist die Alte Sitte \u2013 und da es auch nicht <em>die eine<\/em> Alte Sitte gibt, sondern einen breiten Strom an vielen eigenen Auslegungen, kann ich hier festhalten: Unter weltanschaulich verstehe ich prim\u00e4r die Deutung auf Grundlage der pers\u00f6nlichen Wertvorstellungen, gemessen an der Alten Sitte (Auslegung).<!--more--><\/p>\n<p>Zum eigentlichen Thema.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig werde ich (via asentr.eu) gefragt: \u201eWie stehst du denn eigentlich zum Islam?\u201c Na gut, dann will ich mal versuchen, meinen Standpunkt darzulegen.<\/p>\n<p>Was mir durchaus seit einiger Zeit (Jahren, Jahrzehnt) deutlich auff\u00e4llt ist die Tatsache, da\u00df der Islam mit all seinen Facetten &amp; Forderungen in den Medien weit oben auf der Agenda steht \u2013 mal mehr, mal weniger, aber auf jeden Fall konstant. Bei anderen Religionen in Deutschland ist dies keineswegs der Fall, selten erfahren beispielsweise Buddhisten, Hinduisten, Jesiden oder andere eine \u00e4hnlich gro\u00dfe mediale Aufmerksamkeit. Laut Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung erf\u00fcllen die \u201eMassenmedien\u201c unter anderem eine Meinungsbildungsfunktion und \u201e[\u2026] tragen auch zum stetigen Wandel der Gesellschaft aufgrund aktueller Entwicklungen bei.\u201c<\/p>\n<p>Ob man also will oder nicht, man kann sich dem gar nicht entziehen. Doch was gehen mich die Vorschriften einer Religion an, der weder ich noch jemand aus meinem famili\u00e4ren Umfeld angeh\u00f6ren? Die westeurop\u00e4ische Vorstellung Religion als Privatsache zu betrachten wird hier v\u00f6llig ausgesetzt, was Situationen zur Folge haben kann, die einen dazu fordern sich \u201eaus R\u00fccksichtnahme\u201c anders zu verhalten\u00a0als gewohnt (einzuschr\u00e4nken). Was im Endeffekt nat\u00fcrlich auch bedeuten kann, da\u00df ich als Heide bzw. Anh\u00e4nger der Alten Sitte diese Einschr\u00e4nkung hinnehmen mu\u00df. Konkret f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Raum k\u00f6nnen das Aufforderungen sein zur R\u00fccksichtnahme auf z.B. spezielle Ern\u00e4hrungsvorschriften (schweinefleischfreies Kita- oder Schulessen, betriebliche Grillfeier, Kantinen etc.), Bekleidungsvorschriften, Verhaltenstipps zum Ramadan wegen \u201egewisser Reizbarkeit\u201c, bis hin zu speziellen Verhaltensregeln gegen\u00fcber Moslems im Allgemeinen oder vollst\u00e4ndiger Ver\u00e4nderungen des einheimischen Brauchtums wie Weihnachtsm\u00e4rkte zu Winterm\u00e4rkten umzufunktionieren und so weiter.<\/p>\n<p>Schauen wir uns einmal die monotheistischen Rahmenbedingungen an, durch die sich solche Lehren auszeichnen, wundert es wenig, denn\u2026<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Exklusivismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Exklusive Auffassungen<\/a> eines einzig wahren, allumfassenden Gottes<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Absolutheitsanspruch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Absolutheitsanspruch<\/a><\/li>\n<li>Missionsauftrag\/Missionsbefehl (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Da%CA%BFwa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Da&#8217;wa<\/a>) bzw. allgemein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Missionierende_Religion\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">missionierende Religion<\/a><\/li>\n<li>Ein H\u00f6chstma\u00df an religi\u00f6sen Vorschriften<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um nur mal die pr\u00e4gnantesten Kennzeichen zu nennen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ethnische_Religionen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ethnisch-traditionelle Religionen<\/a> kennen dies hingegen alles nicht. Sie kennen&#8230;<\/p>\n<ul>\n<li>keinen missionarischen Auftrag<\/li>\n<li>keinen universellen Geltungsanspruch<\/li>\n<li>keinen expliziten Moralkodex<\/li>\n<li>keinen Religionsstifter<\/li>\n<li>keine Mittler zur g\u00f6ttlichen Sph\u00e4re<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht die autorit\u00e4re Lehre.<\/p>\n<p>Heidnische Traditionen sind von Natur aus pluralistisch, weil schon ihre Mythologien die Vielfalt der Kr\u00e4fte beschreiben. Daher ist f\u00fcr sie auch das Grundverst\u00e4ndnis der Koexistenz von verschiedenen Interessen und Lebensstilen in einer Gesellschaft selbstverst\u00e4ndlich, sofern\u00a0 &#8211; und das muss man ganz klar sagen &#8211; einzelne Kr\u00e4fte dem nicht entgegenstehen bzw. versuchen, ein Ungleichgewicht zu ihren Gunsten herzustellen (zu erk\u00e4mpfen).<\/p>\n<p>Nun mag insbesondere dieser letzte Punkt ein Aspekt sein, den jeder anders beurteilt bzw. ab wann das zutrifft. Es lassen sich jedoch messbare Indikatoren aufstellen, die graduell dar\u00fcber Aufschlu\u00df geben, in welche Richtung sich der stete Wandel einer Gesellschaft vollzieht.<\/p>\n<p>Nehme ich hier nur mal Herrn Mazyek vom Zentralrat der Muslime beim Wort, da\u00df der Ramadan hierzulande bedeutungsvoller geworden sei und schon als Teil des gelebten Brauchtums, vergleichbar mit unserem Weihnachten (also dem uralten <a href=\"http:\/\/asentr.eu\/f_jul.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Julfest<\/a>), zu sehen sei\u2026 so kann man das gut oder schlecht finden, auf jeden Fall ist es aber eines: Eine voranschreitende Verschiebung des gesellschaftlich-kulturellen Koordinatensystems. Wenn jeder der\u00a0 grunds\u00e4tzlichen Denkweise folgen w\u00fcrde, seine Religion im Privaten auszuleben, ohne seinen eigenen Wirkbereich best\u00e4ndig ausdehnen zu wollen, w\u00e4ren verbale Kampfbegriffe unn\u00f6tig. Aber gerade jene, deren zentrale Botschaft die Einteilung der Welt in Muslime und \u201eKuffar\u201c (Ungl\u00e4ubige) ist, k\u00f6nnen nat\u00fcrlich gar nicht anders, als den eigenen Herrschaftsbereich best\u00e4ndig erweitern zu wollen. Da\u00df dies zugleich bedeutet, in den Raum anderer vorzudringen, ist ihnen nicht nur egal &#8211; nein, es ist ihr Bestreben. Ein invasives Verhalten steht einem nichtinvasiven Verhalten gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr die Alte Sitte? Also einer Tradition, die sich im Grunde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Inklusivismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">inklusiv<\/a> versteht? Das kann zum Beispiel hei\u00dfen, da\u00df jeder fr\u00fcher oder sp\u00e4ter an einen Punkt kommen wird, an dem die eigene religi\u00f6se Identit\u00e4t herausgefordert wird.<\/p>\n<p>Einem defensiven Heidentum, das in einer multireligi\u00f6sen Umwelt zwar die nur vorstellbar geringste Rolle spielt (also quasi nicht vorhanden ist) und doch aus voreilender Fernstenliebe einer autorit\u00e4ren Lehre, die vor Selbstbehauptung nur so strotzt, zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Islamische_Festtage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fest des Fastenbrechens<\/a>\u00a0 gratuliert, wird die Verteidigung der eigenen heidnischen Tradition sehr ungewohnt vorkommen. Sie wird untergehen. Und ich kann das in gewisser Weise auch verstehen, denn angenommen die Alte Sitte w\u00e4re die weltweit am schnellsten wachsende Religion, w\u00fcrde mich eine Handvoll Leute in bunten Batikt\u00fcchern mit keltischen Flechtknotenmustern auch nicht interessieren. Ich w\u00fcrde es als Geste der Erniedrigung ansehen, wenn ich ihnen offensiv entgegentrete und sie mich dazu noch begl\u00fcckw\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Das mag schon etwas ironisch klingen, sei aber an dieser Stelle gar nicht mal wertend gemeint. Expansionsbestrebungen sind schlie\u00dflich v\u00f6llig normale Verhaltensweisen beim Menschen, mithin in der menschlichen Entwicklung \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit am Ende des ersten Teils ist zun\u00e4chst:<\/strong><\/p>\n<p>Ein invasives (von einer autorit\u00e4ren und universellen Lehre) geleitetes Verhalten steht dem nichtinvasiven Verhalten einer autochthonen Religion gegen\u00fcber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ab und an meinen Blog verfolgt erinnert sich vielleicht, da\u00df ich an anderer Stelle erw\u00e4hnte, in loser Reihenfolge weltanschauliche Themen aufgreifen zu wollen. Allerdings mit Bedacht, weil ich der Meinung bin, da\u00df es niemals politisch werden darf. 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