{"id":168,"date":"2016-08-30T18:30:36","date_gmt":"2016-08-30T16:30:36","guid":{"rendered":"http:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=168"},"modified":"2017-02-07T15:38:25","modified_gmt":"2017-02-07T14:38:25","slug":"der-alten-sitte-beitreten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=168","title":{"rendered":"Der Alten Sitte beitreten?"},"content":{"rendered":"<p>Hin und wieder werde ich \u00fcber Asentr.eu\/Altesitte.info nach einem Beitrittsformular gefragt bzw. wie oder ob man der Alten Sitte beitreten k\u00f6nne. Ich antworte in diesen F\u00e4llen meistens, da\u00df es sich hier lediglich um eine privat gef\u00fchrte Webseite handelt, der weder eine Gruppe, noch ein Verein oder noch irgendeine anders gelagerte Organisationsform angeschlossen ist. Alleiniges Ziel: Die Bereitstellung von Informationen. Gern beantworte ich auch konstruktive Fragen&#8230; aber beitreten, das kann man hier nirgends.<!--more--><\/p>\n<p>Speziell in diesen Momenten bin ich mir dann manchmal nicht so sicher, was wirklich gemeint war. Einen Beitritt verbinde ich immer mit der Mitgliedschaft in einem Verein und heidnische Vereine gibt es ja in H\u00fclle und F\u00fclle. Sie sind \u00fcber die Internetsuche leicht auffindbar, man kann sich informieren, \u00fcber verschiedenste Wege Kontakt aufnehmen, man kann beitreten oder auch nur f\u00f6rdern, die meisten haben eine Vereinszeitschrift oder bieten Rundschreiben, die man\u00a0 abonnieren kann&#8230; es war also noch nie so leicht wie heute, irgendwo mitzumachen. Und die unz\u00e4hligen Stammtische und informellen Gruppen sind noch gar nicht mitgez\u00e4hlt. Alles zusammen bietet eine beinahe un\u00fcberschaubare Bandbreite an unterschiedlichsten Standpunkten, da d\u00fcrfte nahezu f\u00fcr jeden etwas dabei sein. Und auch wenn ich dieser Szene, wie ich meistens wertfrei schreibe, inzwischen halbwegs distanziert gegen\u00fcber stehe, gebe ich gerne Tipps oder n\u00fctzliche Hinweise, unabh\u00e4ngig und neutral.<\/p>\n<p>Doch genau an diesem Punkt habe ich dann h\u00e4ufig das Gef\u00fchl, da\u00df es bei derlei Anfragen vielleicht gar nicht allein um Vereinszugeh\u00f6rigkeiten geht, sondern m\u00f6glicherweise um die Frage, was man zu tun hat, um der Alten Sitte anzugeh\u00f6ren oder schlicht und einfach sagen zu k\u00f6nnen: Ja, ab sofort ist meine Religionszugeh\u00f6rigkeit die Alte Sitte!<\/p>\n<p>Generell sind mir in heidnischen Vereinen nur wenig formelle Ritualhandlungen (wie z.B. das Ablegen eines Eides auf die G\u00f6tter) bekannt, die sich als Muster f\u00fcr eine Art Zugeh\u00f6rigkeitsritual zur Alten Sitte eignen w\u00fcrden. Von daher sollte man sich auf etwas konzentrieren, das explizit den individuellen Eintritt markiert, ohne weitere Abh\u00e4ngigkeiten (Mitgliedschaften etc.).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/farm6.staticflickr.com\/5012\/5526706461_dd030f8d2e_n.jpg\" width=\"255\" height=\"320\" \/><\/p>\n<p>Auf Asentr.eu ist eingangs zu lesen: Gehe&#8230;den Alten Pfad. Das ist nicht missionarisch gemeint. Wer den Ruf der alten G\u00f6tter h\u00f6rt, folgt ihnen oder l\u00e4sst es bleiben. Eine Entscheidung, die jedem frei steht. Der Wille, den alten G\u00f6ttern Treue zu erweisen, mu\u00df \u00a0von innen heraus kommen, kann also nur intrinsisch geleitet sein. Auch wenn es f\u00fcr mich das Selbstverst\u00e4ndlichste auf der Welt ist, ja gerade jenen Vorstellungen zu folgen, die hierzulande erdentsprossen und von nat\u00fcrlichem Wachstum gepr\u00e4gt sind, liegt der Funke des Erkennens doch in jedem selbst und kann nicht von au\u00dfen eingepflanzt werden.<\/p>\n<p>Nun kann man berechtigterweise die Frage anschlie\u00dfen: Wenn ich doch nun den Alten Pfad gehen will, wie mache ich das denn? Ich sehe eigentlich nur drei M\u00f6glichkeiten. Alle setzen voraus, da\u00df man selbst handelt.<\/p>\n<p>In der Alten Sitte gibt es keinen Mittler, der mir sagt, was ich zu tun habe. Es kann Goden\/Gy\u00f0ja geben, oder h\u00e4ufig allgemein Ritualleiter bzw. Ritualleiterin genannt, also Personen, die das Ritual anleiten, die aber auf keinen Fall eine alleinige Schnittstelle zu den G\u00f6ttern bilden (sollten). Der freie Zugang zu den \u00dcberlieferungen, Traditionen und Interpretationen ist grundlegend, verlangt aber von mir, selbst aktiv zu werden und die Initiative zu ergreifen. Dies l\u00e4\u00dft sich nat\u00fcrlich in einer Gruppe bewerkstelligen, \u00a0aber im ersten Schritt steht jeder erst mal allein. Es hei\u00dft ja auch: Der erste Schritt ist die H\u00e4lfte vom Ganzen. Sobald ich sp\u00fcre, den alten G\u00f6ttern meine Treue bekunden zu wollen, habe ich jedes Recht &#8211; ja vielleicht auch die Pflicht &#8211; rituellen Kontakt zu ihnen aufzubauen. Sie werden einen nicht grundlos rufen. Warum also z\u00f6gern, genau diesen ersten Schritt zu gehen? Ist es die Ungewissheit an der Schwelle, an der eventuell ein begleitendes Wort, eine begleitende Handlung fehlt? Gerade Schwellensituationen geben seit jeher Anlass zu \u00dcbergangsritualen.<\/p>\n<p>Wenn man \u00fcberlegt wie es fr\u00fcher gewesen sein k\u00f6nnte, wird man h\u00f6chstwahrscheinlich zu dem Schlu\u00df kommen, da\u00df unsere Vorfahren gar nicht vor dieser Problematik standen. Sie \u00fcbernahmen die Sitten und Gebr\u00e4uche der direkten Vorfahren. Die Frage nach einem \u201eGlaubensbekenntnis\u201c kam somit gar nicht auf. Was es jedoch sicher gab, waren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%9Cbergangsritus\" target=\"_blank\">\u00dcbergangsriten (rites de passage)<\/a> an verschiedenen Lebensstadien wie Geburt und Aufnahme in die Sippe, M\u00fcndigkeit und Eintritt ins Jugend- und Erwachsenenalter, Wehrf\u00e4higkeit und Selbstbestimmung, Hochzeit und so weiter. An dieses Konzept k\u00f6nnen wir nat\u00fcrlich auch den Eintritt ins Heidentum (germanisches, keltisches, slawisches, r\u00f6misches etc.) anlehnen. Religionszugeh\u00f6rigkeit stiftet Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Treue verlangt Best\u00e4ndigkeit und Best\u00e4ndigkeit findet Ausdruck in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kontinuit%C3%A4t\" target=\"_blank\">Kontinuit\u00e4t<\/a>, sowie in sichtbarer Symbolik. Ein erster Schritt k\u00f6nnte also sein, sich in seiner Wohnung, im Garten oder in n\u00e4herer Umgebung eine heilige St\u00e4tte einzurichten. Manchmal geben auch alte Flurnamen erste Hinweise auf fr\u00fchere Kultst\u00e4tten. Entweder l\u00e4sst sich aus Holz und Stein ein einfacher <a href=\"http:\/\/asentr.eu\/altarformen.html\" target=\"_blank\">H\u00f6rgr<\/a> errichten oder in der Wohnung w\u00e4re an einen schlicht dekorierten Holztisch zu denken, wenn m\u00f6glich an einem ruhigen Ort.<\/p>\n<p>Sobald dieser Ort fertiggestellt ist, sollte er eingeweiht werden (was keine Unver\u00e4nderlichkeit hei\u00dft, verfeinern und weiter ausbauen sind erlaubt, vielleicht sogar erw\u00fcnscht). Mit dieser Einweihung lie\u00dfe sich zum Beispiel ein eigenes Treuebekenntnis verbinden. Diesen Punkt k\u00f6nnte man als Beginn definieren, von nun an der Alten Sitte anzugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit der Alten Sitte \u201ebeizutreten\u201c w\u00e4re, sich an einen Asatru-Verein (oder eine Gruppe) zu wenden und um eine Art Dazugeh\u00f6rigkeitsritual zur Alten Sitte zu bitten, vor dem Hintergrund, da\u00df man im Rahmen eines solchen Rituals \u201ehin\u00fcbergeleitet\u201c wird in die Zugeh\u00f6rigkeit zur Alten Sitte. Verein oder Gruppe stellen also eine ritualleitende Person zur Verf\u00fcgung, die den rituellen Rahmen entweder vorgibt oder mit einem zusammen erarbeitet.<\/p>\n<p>Zusammengefasst k\u00f6nnte man das so umschreiben:<\/p>\n<p><strong>1) Der stille Proze\u00df<\/strong>: Ich fange selber an, den G\u00f6ttern Opfergaben hinzustellen, wachse langsam rein, festige meine \u00dcberzeugung. Da\u00df ich anfange zu opfern (bl\u00f3ten), hei\u00dft zugleich, da\u00df ich an einem Punkt angelangt bin, an dem ich die waltenden M\u00e4chte als real existent ansehe. Das war anfangs vielleicht noch nicht so, verdeutlicht also den zeitlichen Verlauf eines \u201eger\u00e4uschlosen\u201c Hin\u00fcbergleitens zur Alten Sitte. Sozusagen ein sanfter Proze\u00df ohne eindeutig sichtbare Zeichen, ohne dezidierten Zeitpunkt, der das Davor und Danach klar erkennbar voneinander trennt. Irgendwann habe ich das Gef\u00fchl \u201eangekommen\u201c zu sein. Ein stiller, schleichender Proze\u00df.<\/p>\n<p><strong>2) Das gef\u00fchrte \u00dcbergangsritual<\/strong>: Idealerweise steht eine erfahrende Person zur Seite, die mit einem zusammen ein Ritual ausarbeitet. Dies w\u00e4re sozusagen mein erstes Bl\u00f3t. Dieses Vorgehen bietet den st\u00e4ndigen Abgleich zwischen mir und dem Menschen, der im neuen Gef\u00fcge bereits fest verwurzelt ist. Ein fester Standpunkt auf neuem Gel\u00e4nde. Sie\/er geleitet mich an einem festgelegten Zeitpunkt auf genau jenes Gel\u00e4nde, das nun zu meinem eigenen wird.<\/p>\n<p><strong>3) Ein eigenes \u00dcbergangsritual durchf\u00fchren<\/strong>: Die individuelle und selbstaktive Variante hei\u00dft nicht, das Rad v\u00f6llig neu erfinden zu m\u00fcssen. Auch hier wird eine theoretische Phase (notwendigerweise) um den praktischen Anteil vervollst\u00e4ndigt. Das bedeutet konkret, da\u00df mein Wunsch nach Anbindung zu den waltenden M\u00e4chten nicht mehr allein durch Literatur gestillt werden kann, sondern jetzt der Tag kommen mu\u00df, an dem ich mir (und ggf. anderen gegen\u00fcber) offen eingestehe: Durch mein Bl\u00f3t folge ich den G\u00f6ttern, wodurch ich sie zu st\u00e4rken beabsichtige, auf da\u00df mir Gutes durch sie widerfahren m\u00f6ge!<br \/>\nGrundtenor ist immer, da\u00df man \u00c1satr\u00fa nicht allein durch das wird, was man glaubt, sondern durch das, was man tut.<\/p>\n<p>Noch zwei Hinweise, die ich im Text nicht unterbringen konnte:<\/p>\n<ol>\n<li>Die D\u00e4nische Gemeinschaft <em>Forn Si\u00f0r<\/em> verf\u00fcgt \u00fcber ein eigenes Glaubensbekenntnis (Trosbekendelse). Wenn man im Internet nach\u00a0 &#8222;Glaubensbekenntnis asatru&#8220; sucht, gelangt man auf verschiedene Eintr\u00e4ge in \u00f6ffentlichen Foren, die teilweise \u00dcbersetzungen bieten. Wenn man will, k\u00f6nnte man dies als Grundger\u00fcst f\u00fcr ein eigenes Treuebekenntnis heranziehen.<\/li>\n<li>In dem Buch <a href=\"http:\/\/www.roterdrache.org\/asatru.html\" target=\"_blank\">\u00c1satr\u00fa &#8211; Die R\u00fcckkehr der G\u00f6tter<\/a> befindet sich auf Seite 140 ein Glaubensbekenntnis, das mir pers\u00f6nlich gut gef\u00e4llt und folgenderma\u00dfen beginnt:<\/li>\n<\/ol>\n<blockquote><p><strong>H\u00e9r stend ek<\/strong><br \/>\nHier stehe ich &#8211; notfalls auch allein &#8211; f\u00fcr die Dinge, an die ich glaube:<br \/>\n1. Ich glaube, da\u00df die Asen und Wanen lebendige Gottheiten sind, die sich vor dem Beginn der Zeit aus Ginnungagap erhoben und seitdem \u00fcber die neun Welten geherrscht haben und das bis Ragnar\u00f6k auch weiterhin tun werden &#8211; egal ob die Menschen an sie glauben oder nicht.<br \/>\n(&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>NACHTRAG | zusammenfassender Gedanke<\/strong><\/p>\n<p>\u00c1satr\u00fa werden &#8211; aber wie?<\/p>\n<p>Generell l\u00e4\u00dft sich sagen, da\u00df es keine formelle Ritualhandlung gibt, durch die man \u00c1satr\u00fa wird.<br \/>\n\u00c1satr\u00fa wird man nicht durch das, was man glaubt, sondern durch das, was man tut.<br \/>\nMan bekennt sich zu den G\u00f6ttern; dies ist eine innere Einstellung. Und diese Einsicht kann man in Form eines Bekenntnisses bekr\u00e4ftigen (f\u00fcr sich selbst) oder man kann dieser Einsicht offen Ausdruck verleihen z.B. in einer Gemeinschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hin und wieder werde ich \u00fcber Asentr.eu\/Altesitte.info nach einem Beitrittsformular gefragt bzw. wie oder ob man der Alten Sitte beitreten k\u00f6nne. Ich antworte in diesen F\u00e4llen meistens, da\u00df es sich hier lediglich um eine privat gef\u00fchrte Webseite handelt, der weder eine Gruppe, noch ein Verein oder noch irgendeine anders gelagerte Organisationsform angeschlossen ist. 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