{"id":521,"date":"2017-07-26T18:13:38","date_gmt":"2017-07-26T16:13:38","guid":{"rendered":"http:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=521"},"modified":"2018-01-03T09:01:09","modified_gmt":"2018-01-03T08:01:09","slug":"die-heidnische-hochzeit-oder-wad-dat-wohl-fuern-hokuspokus-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=521","title":{"rendered":"Die heidnische Hochzeit oder Wad dat wohl f\u00fcr&#8217;n Hokuspokus wird&#8230;"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Wad dat wohl f\u00fcr&#8217;n Hokuspokus wird&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;war eine der ersten Reaktionen direkt nach der heidnischen Hochzeit (Eheleite), die ich vor kurzem durchf\u00fchrte. Und was im ersten Moment so kritisch klingt, war dann gar nicht so gemeint. Worum ging es also, welche Eindr\u00fccke wurden kommuniziert und was habe ich daraus mitgenommen?<!--more--><\/p>\n<p>Viele der G\u00e4ste sprachen mich gleich nach der heidnischen Zeremonie an, dass sie sowas zwar bisher noch nicht kannten, es aber als feierlich und naturnah empfanden. Sowas h\u00f6rt man nat\u00fcrlich gern, zumal wenn man von au\u00dfen auf eine mehr oder weniger unbekannte Umgebung trifft. Im Vorwege fanden zwar einige Abstimmungsrunden mit dem Brautpaar und den Eltern statt, was aber den Faktor G\u00e4ste betrifft, bleibt dies in vielen F\u00e4llen eine gro\u00dfe Unbekannte. Was allerdings auf Gegenseitigkeit beruht, denn keiner der G\u00e4ste konnte sich etwas unter einer \u201eheidnischen Eheleite\u201c vorstellen \u2013 was aufgrund der geringen Verbreitung ja auch wenig verwundert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-525\" src=\"http:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/eheleite1-354x500.png\" alt=\"\" width=\"354\" height=\"500\" \/><\/p>\n<p>Aus Gespr\u00e4chen habe ich dann erfahren, dass es als \u201enat\u00fcrlicher\u201c empfunden wurde, im Vergleich zu einer kirchlichen Trauung. \u201eNat\u00fcrlicher&#8220; wahrscheinlich deshalb, weil Natur und Landschaft, in der die G\u00f6tter verortet werden, eine wesentliche Rolle im heidnischen Ritus einnehmen, neben den Ahnen. Und die durchf\u00fchrende Person nicht so sehr im Mittelpunkt steht, wie z.B. so manch ein Priester w\u00e4hrend der kirchlichen Trauung. Fr\u00fcher wurden derlei Zeremonien sicher von den Sippen\u00e4ltesten durchgef\u00fchrt. Dennoch ist nat\u00fcrlich der Wunsch nach einer feierlichen Atmosph\u00e4re da, auch wenn\u2019s nicht kirchlich sein soll. Wohingegen freie Redner h\u00e4ufig als zu profan und nicht feierlich genug wahrgenommen werden. Das kann nat\u00fcrlich auch mit dem Fehlen der \u201espirituellen\u201c Komponente zusammenh\u00e4ngen. Aber wie auch immer, der Bereich zwischen kirchlicher und weltlicher Trauung ist reich an M\u00f6glichkeiten, was jedoch etwas Recherche und Gl\u00fcck voraussetzt, um das f\u00fcr sich passende zu finden.<\/p>\n<p>\u201e<em>Wad dat wohl f\u00fcr&#8217;n Hokuspokus wird&#8230;<\/em>&#8220; denken dann wohl viele, die sich nichts unter einer germanischen Eheleite nach Alter Sitte vorstellen k\u00f6nnen. Vorstellungen von bunter Esoterik, Hippie-Style bis hin zu verkl\u00e4rter Naturromantik oder NS-Nostalgie sind weitl\u00e4ufig verbreitet, das wissen wir alle. Und jeder von uns wei\u00df ebenso, wie falsch diese Vorstellungen sind.<br \/>\nMit der \u00e4lteren Dame, die das mit dem Hokuspokus sagte, kam ich ganz offen ins Gespr\u00e4ch. Sie steht allem Religi\u00f6sen, insbesondere aber der christlichen Kirche, sehr kritisch gegen\u00fcber, fand die heidnische Art der Eheschlie\u00dfung aber recht angenehm und unaufdringlich (undogmatisch). Dazu muss man sagen, dass die Eheleite auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stattfand. Hier ist man generell unreligi\u00f6ser. Im \u201eWesten\u201c geh\u00f6rte zu meiner Zeit der Religionsunterricht an Schulen zum Standard. Inhaltlich nat\u00fcrlich christlich gepr\u00e4gt und es l\u00e4sst sich auch zu Recht bem\u00e4ngeln, warum an einer staatlichen Schule, wo doch Staat und Kirche getrennt sein sollen, schwerpunktm\u00e4\u00dfig christlicher Religionsunterricht stattfinden muss. Die andere Seite ist allerdings, und das habe ich erst sp\u00e4ter verstanden, dass es durchaus den Effekt haben kann, \u00fcberhaupt religi\u00f6s empfinden zu k\u00f6nnen, bzw. Religion \u201egelernt\u201c zu haben \u2013 im Vergleich zum mehrheitlich areligi\u00f6s gepr\u00e4gten Osten wohlgemerkt. Meinem Eindruck nach kann der Zugang zu einer anderen religi\u00f6sen Sph\u00e4re, wie z.B. zur vorchristlichen, aus einer christlichen Akkulturation heraus leichter fallen, im Vergleich zu jemandem der von vornherein areligi\u00f6s akkulturiert ist. Vielleicht so eine Art Transferleistung.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Eheleite; alberner Hokuspokus oder ernstzunehmende Zeremonie? Das wird von vielen Faktoren beeinflusst, unter anderem durch Authentizit\u00e4t und Auftreten.<br \/>\nInsgesamt war der Platz au\u00dferordentlich sch\u00f6n und vor allem passend eingerichtet. Es sollte auf dem Grundst\u00fcck der Gro\u00dfeltern stattfinden, inmitten eines kleinen Dorfes. Fr\u00fcher Bauernhof, heute Wohnhaus. Unverkennbar der hallenf\u00f6rmige Bau der fr\u00fcheren Bauernstelle. Ausreichend Fl\u00e4che f\u00fcr ein Festzelt ist in so einem Fall nat\u00fcrlich vorhanden. Vorgelagert einige alte Obstb\u00e4ume und einen hatte sich das Brautpaar gleich von vornherein f\u00fcr die Zeremonie ausgeguckt. Ich empfahl einen Kreis nach althergebrachter Weise mit Haselruten (<a href=\"http:\/\/asentr.eu\/einheg.html#haselheg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Haselhegung<\/a>) abzustecken und diese mit einem Band, dem <a href=\"http:\/\/asentr.eu\/ve.html#vebond\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">V\u00e9bond<\/a>, zu verbinden. Dadurch ergibt sich automatisch ein innerer und \u00e4u\u00dferer Kreis, der Brautpaar, Zeugen und Eltern von den G\u00e4sten trennt und zugleich das Herausheben aus der Profanit\u00e4t des Alltags unterst\u00fctzt. Eine erhabene Atmosph\u00e4re steht oder f\u00e4llt auch mit der richtigen Nuance der Hilfsmittel. Zwei dezente R\u00e4ucherschalen am Eingang der Haselhegung mit einer Mischung aus Kr\u00e4utern und Harz wurden nach einer kurzen Ansprache vom Brautpaar, den Trauzeugen, den Eltern und mir durchschritten, um sich vor einem Eichenholz-Altar unterhalb des Baumes aufzustellen. Und von hier weiter mit folgendem Ablauf:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">1. Einleitung \u2013 Einhegung und Weihe<br \/>\na) Haselhegung<br \/>\nb) Hammerweihe<br \/>\n2. Ansprache<br \/>\n3. Anrufung<br \/>\n4. Trauzeugen<br \/>\n5. Eheversprechen und Ringwechsel<br \/>\n6. Weihe des Ehepaars<br \/>\n7. Hochzeitshorn<br \/>\n8. \u00dcbergabe des Eheleuchters und Thorshammers<br \/>\n9. \u00d6ffnen des Festkreises<\/p>\n<p>Was sich in dieser Form der Eheleite abspielt ist im Grunde ein bodenst\u00e4ndiges Vorgehen. Ohne &#8222;esoterische Spielereien&#8220; oder unn\u00fctzem Geschwurbel, das nur dem k\u00fcnstlichen Aufbauschen dient. Drei Aspekte sind essenziell erkennbar:<\/p>\n<ul>\n<li>Die N\u00e4he zur Natur bzw. dass es in einer nat\u00fcrlichen Umgebung stattfindet,<\/li>\n<li>das gegenseitige Versprechen im Angesichte der G\u00f6tter,<\/li>\n<li>der Mensch steht im Mittelpunkt (kein \u201ePriester\u201c als Mittler zwischen Mensch und G\u00f6ttern).<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wad dat wohl f\u00fcr&#8217;n Hokuspokus wird&#8230; &#8230;war eine der ersten Reaktionen direkt nach der heidnischen Hochzeit (Eheleite), die ich vor kurzem durchf\u00fchrte. Und was im ersten Moment so kritisch klingt, war dann gar nicht so gemeint. 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