{"id":642,"date":"2017-11-01T21:27:34","date_gmt":"2017-11-01T20:27:34","guid":{"rendered":"http:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=642"},"modified":"2017-11-02T07:25:40","modified_gmt":"2017-11-02T06:25:40","slug":"neue-sitte-alte-sitte-ein-wortspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=642","title":{"rendered":"Neue Sitte \u2013 Alte Sitte, ein Wortspiel"},"content":{"rendered":"<p>Das Heidentum ist alles, nur kein Monolith. Eher gleicht es einem bunten Blumenstrau\u00df oder einer schillernden Seifenblase im Sonnenlicht, so vielf\u00e4ltig und breit gef\u00e4chert k\u00f6nnen die Standpunkte einzelner Akteure sein\u2026 also Sichtweisen, die zugleich Flu\u00dfbett ganzer Str\u00f6mungen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jahrtausende alt und doch so interpretierf\u00e4hig, man wird immer wieder \u00fcberrascht. Es wird nie langweilig, so viel ist sicher. Und das ist nat\u00fcrlich auch der Grund, warum man auf der einen Seite Zustimmung erntet und Genugtuung versp\u00fcrt, w\u00e4hrend sich zugleich die andere Seite augenrollend abwendet, als w\u00e4re man ein Einsiedler aus der Sibirischen Taiga.<\/p>\n<p>Also eine durchgehend gleiche Gesinnung im germanischen Heidentum? Fehlanzeige. Ohne sich in die Tiefen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung versteigen zu wollen, zeichnen sich im nichtv\u00f6lkischen Spektrum ganz grob drei Hauptlinien ab:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die Progressiven<\/strong>: Die auf den Fortschritt ausgerichteten und wissenschaftsgl\u00e4ubigen Modernisten, die planvollen Umgestalter bestehender Verh\u00e4ltnisse.<\/li>\n<li><strong>Die Beharrlichen<\/strong>: Die neue Gedanken, Ideen oder Erkenntnisse tendenziell zwar eher zulassen als die Antimodernisten, aber zugleich eine ausgepr\u00e4gte Aversion gegen das st\u00e4ndige ausdifferenzieren, relativieren oder infrage stellen von Grunds\u00e4tzlichkeiten haben, wie es die Progressiven gern tun.<\/li>\n<li><strong>Die Strukturkonservativen<\/strong>: Die ansatzweise Antimodernen, welche unverr\u00fcckbar ihre in der Vergangenheit entwickelte Idealvorstellung gegen alle Kritik verteidigen und vor Ver\u00e4nderung sch\u00fctzen oder h\u00f6chstens minimale Anpassungen zulassen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn man die letzten beiden Typen zusammennimmt, dann k\u00f6nnte man sagen, da\u00df beide davon gepr\u00e4gt sind, an traditionellen Werten und \u00fcberlieferten Strukturen festzuhalten. Und hier auch gleich das Stichwort: \u00dcberlieferung. \u00dcberspitzt lege ich den drei Typen mal folgendes in den Mund:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Nichts<\/strong>, so gut wie nichts ist \u00fcberliefert. Und das, was die anderen anf\u00fchren, kann aus diversen Gr\u00fcnden nicht gelten. Besser sind die tagesaktuellen Argumente mancher Wissenschaftler, und seien sie auch noch so hyperkritisch. Immerhin l\u00e4\u00dft sich gegen\u00fcber der \u201emodernen Gesellschaft\u201c mit totaler Selbstreflexion und Aufgekl\u00e4rtheit punkten.<\/li>\n<li><strong>Viel<\/strong> ist \u00fcberliefert, nicht alles, aber viel. Ansonsten halte ich mich im Alltag mit meinen \u00dcberzeugungen bedeckt. Und ob die gegenw\u00e4rtige wissenschaftliche Lehrmeinung meine Sichtweisen vollends deckt oder nicht, ist nicht der entscheidende Faktor. Entscheidend ist die auf Wissen, \u00dcberlieferung, Erfahrung und Empfinden basierende Gesamtheit.<\/li>\n<li><strong>Alles<\/strong> oder so gut wie alles ist irgendwie \u00fcberliefert bzw. l\u00e4sst sich aus diversen Quellen ableiten, auf die eine oder andere Weise. Sachliche Kritik perlt daran ab.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Und nat\u00fcrlich erstaunt es dann regelm\u00e4\u00dfig wenig, da\u00df sich manche Ansichten diametral gegen\u00fcberstehen. Das mu\u00df man einfach akzeptieren, ausdiskutieren oder gar \u00e4ndern l\u00e4\u00dft sich das nicht. Schon gar nicht, wo eine Seite einen roten Apfel sieht, w\u00e4hrend die andere Seite eine gr\u00fcne Birne wahrnimmt.<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich ging mir das zum Beispiel k\u00fcrzlich, als ich in der Herbstausgabe der \u201eRinghorn\u201c las, der Zeitschrift des Vereins f\u00fcr Germanisches Heidentum, die ich abom\u00e4\u00dfig beziehe. Hier ging es um einen zur \u201eFrith Forge Conference\u201c geplanten Vortrag unter dem Titel \u201eN\u0233 si\u00f0r \u2013 not forn si\u00f0r\u201c. Nun kenne ich den tats\u00e4chlichen Inhalt des Vortrags nicht, von daher w\u00e4re es unredlich dar\u00fcber zu urteilen. Eine Kurzbeschreibung liest sich aber immerhin so:<\/p>\n<blockquote><p>Er befasst sich damit, ob wir uns als heutige Heiden nicht zu sehr auf eine nicht wirklich dokumentierte Vergangenheit konzentrieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun, so als Frage formuliert kann ich das von meiner Seite aus glatt verneinen. Wobei ich mir aber auch nicht sicher bin, wer konkret mit \u201ewir \u201c gemeint sein k\u00f6nnte: Der Verein, alle germanischen Heiden, alle deutschsprachigen Heiden oder alle Heiden auf der \u00a0Welt?<\/p>\n<p>Nur allein hinsichtlich der altnordischen Begrifflichkeit \u201en\u00fdi si\u00f0r\u201c schrieb ich 2016 in meinem Blog:<\/p>\n<blockquote><p>Schaut man sich die Bezeichnung \u201eAlte Sitte\u201c f\u00fcr die heidnische (nordgermanische) Religion an, wird man schnell merken, da\u00df es offenbar kein prim\u00e4res Anliegen der damaligen Menschen war, sich Gedanken \u00fcber einen Eigennamen f\u00fcr die religi\u00f6sen Vorstellungen zu machen, waren es doch die althergebrachten, allen bekannten und von den Ahnen \u00fcberbrachten Vorstellungen. Wozu also ein Name. Im Spannungsfeld der sich neu ausbreitenden Glaubensvorstellungen bildeten sich jedoch Sprachwendungen wie \u201enach alter Sitte\u201c, \u201ealtem Brauch\u201c, \u201ea\u00f0 fornum si\u00f0\u201c also auf \u201ealte Art und Weise\u201c oder \u201eHei\u00f0inn si\u00f0r\u201c nach heidnischer Sitte, um vom Christentum (Kristinn si\u00f0r) zu unterscheiden. <strong>Die neuen Gebr\u00e4uche (n\u00fdi si\u00f0r) standen im Gegensatz zum Althergebrachten (forn si\u00f0r).<\/strong> Daran hat sich im Grunde bis heute nichts ge\u00e4ndert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Somit ein ziemlich gewagter Titel, dieses \u201eN\u0233 si\u00f0r \u2013 not forn si\u00f0r\u201c. F\u00fcr meinen Geschmack zu provokativ&#8230; oder sollte ich besser\u00a0progressiv sagen? \u00dcbersetzt also \u201eNeue Sitte \u2013 nicht alte Sitte\u201c, so kann ich diese Position nur im sogenannten \u201eNeuheidentum\u201c verorten, mithin eine Selbstbeschreibung, die sich etwa aufteilt in\u2026<\/p>\n<p>Neuheidentum | Heidentum | Altheidentum<\/p>\n<p><strong>Res\u00fcmee<\/strong>: In den kommenden Wochen werde ich alle Seiten von Asentr.eu nach dem Begriff \u201eNeuheidentum\u201c durchsuchen und schlicht durch \u201eHeidentum\u201c ersetzen. Im neuheidnischen, sprich im progressiven Spektrum, sehe ich eindeutig nicht meine religi\u00f6se bzw. spirituelle\u00a0 Heimat. Asentr.eu sehe ich ziemlich mittig im Kreise der Beharrlichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Heidentum ist alles, nur kein Monolith. Eher gleicht es einem bunten Blumenstrau\u00df oder einer schillernden Seifenblase im Sonnenlicht, so vielf\u00e4ltig und breit gef\u00e4chert k\u00f6nnen die Standpunkte einzelner Akteure sein\u2026 also Sichtweisen, die zugleich Flu\u00dfbett ganzer Str\u00f6mungen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,109],"tags":[136,141,139,140],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/642"}],"collection":[{"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=642"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/642\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":645,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/642\/revisions\/645"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=642"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=642"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}