{"id":793,"date":"2018-02-20T22:39:01","date_gmt":"2018-02-20T21:39:01","guid":{"rendered":"http:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=793"},"modified":"2018-02-20T22:39:01","modified_gmt":"2018-02-20T21:39:01","slug":"das-leuchten-im-disensaal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/?p=793","title":{"rendered":"Das Leuchten im Disensaal"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>D\u00edsarsalr<\/strong><\/em> ist eines dieser klangvollen Worte, die uns aus der altnordischen Zeit in den Sagatexten \u00fcberliefert wurden. Vom Wortklang her roh und archaisch, nicht aus dieser Zeit und g\u00e4nzlich unbekannt im allt\u00e4glichen Dasein. Und doch von rauher Sch\u00f6nheit und Harmonie. Jedenfalls in all jenen Ohren, denen der Klang von Ursprung und Widerborstigkeit keine Unbekannten sind, sondern mehr ein verinnerlichtes Lebensprinzip.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em><strong>D\u00edsarsalr<\/strong><\/em>. Vieles in der heutigen Zeit ist klar definiert und normiert. D\u00edsarsalr ganz sicher nicht.\u00a0D\u00edsarsalr\u00a0 ist das genaue Gegenteil! Es strotzt nur so vor Uneindeutigkeit. Zwar kennen einige Quellen Opferst\u00e4tten, die D\u00edsarsalr genannt werden, also St\u00e4tten an denen das D\u00edsarbl\u00f3t stattfand, doch allein das Wesen der D\u00edsir bleibt dabei so schemenhaft, da\u00df sich erst recht unter einem Disen-Saal kaum etwas vorstellen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<blockquote><p>Mehrere Quellen kennen eine Opferst\u00e4tte, die disarsalr genannt wird, also ein Disensaal, Disentempel oder Opferheiligtum, an dem das Disenopfer stattfindet. Erw\u00e4hnungen lassen sich in der Hervararsaga, Ynglingasaga (Heimskringla I), Historia Norwegi\u00e6 sowie der Fri\u00f0\u00fej\u00f3fssaga finden. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Sakralbau, vielleicht in Form eines H\u00f6rgr oder eines gr\u00f6\u00dferen Tempelgeb\u00e4udes. F\u00fcr einen H\u00f6rgr k\u00f6nnten verschiedene Ortsnamen sprechen, f\u00fcr einen geschlossenen Raum hingegen die Verwendung des Wortes &#8217;salr&#8216;.\u00a0<a style=\"font-size: 1rem;\" href=\"http:\/\/asentr.eu\/f_disenblot.html#4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Asentr.eu Disarsalr<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>In der altnordischen Dichtung wurden jedoch die G\u00f6tterwohnsitze h\u00e4ufig als <em>salr<\/em> bezeichnet bzw. der ganze Kosmos in \u201eS\u00e4len\u201c gedacht: Fensalir, Bergsalr, Heimsalr, S\u00f3larsalir, M\u00e1nasalir usw.<\/p>\n<p>Sich die St\u00e4tte als Saal vorzustellen oder auf diese Weise zu umschreiben, ist eine dieser sch\u00f6nen alten Ausdrucksformen, in der eine gewisse Ehrfurcht mitschwingt.<\/p>\n<p>Den Alfen und Disen Verehrung entgegen zu bringen, speziell an den \u00dcberg\u00e4ngen der Vegetationszeit, also der Zeit zwischen Winter und Fr\u00fchjahr und der Zeit zwischen Herbst und Winter, halte ich f\u00fcr eine gute Sache. Dies f\u00e4llt in den Bereich der h\u00e4uslichen Opfer, die prim\u00e4r Haus und Hof betreffen. Insbesondere die Alfen werden h\u00e4ufig als die urspr\u00fcnglichen Besitzer des Hofes angesehen. Und wenn ich dabei mal an unser Grundst\u00fcck denke, das sich in einem v\u00f6llig verwilderten Zustand befand, bevor wir es kauften und unser Haus darauf bauten, liegt der Gedanke durchaus nah, da\u00df wir nicht die einzigen Bewohner dieses Grundes sind. Heute in der Stadt ist sowas nat\u00fcrlich umso schwerer vorstellbar, aber auch dort, wo heute alles dicht bebaut ist, befand sich vor noch nicht allzu langer Zeit mal etwas anderes.<\/p>\n<p>In \u201eGermanische und Baltische Religion\u201c, dem Band 19 aus \u201eDie Religionen der Menschheit\u201c von Str\u00f6m und Biezais, habe ich auf Seite 164 einen vielsagenden Hinweis auf ein christliches Verbot aus Schweden um 1430 gefunden, das lautet:<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] tha skalt thu ey thro uppa tompta gudha.<\/p>\n<p>[\u2026] dann sollst du nicht an die G\u00f6tter des Hofes glauben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies stammt aus einer Zeit, in der man den \u201eKobolden\u201c (den Tomte) das eine oder andere hingestellt hat. Dem christlichen Eifer war das nat\u00fcrlich ein Dorn im Auge. Heute w\u00e4re es in Schweden wohl eher der muslimische Eifer, welcher heidnischen Handlungen zusetzt. Zeiten, die sich \u00e4ndern.<\/p>\n<h2>Aber zur\u00fcck zu Haus und Hof \u2013 und dem geheimnisvollen Leuchten und dem noch geheimnisvolleren Disensaal.<\/h2>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-796\" src=\"http:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8822-Kopie-500x353.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8822-Kopie-500x353.jpg 500w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8822-Kopie-768x543.jpg 768w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8822-Kopie-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8822-Kopie-624x441.jpg 624w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8822-Kopie.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Wenige Tage ist\u2019s gerade her. Drau\u00dfen verharrt alles in Eisesk\u00e4lte. Besonders in sternklaren N\u00e4chten. An einem dieser Abende \u201eschm\u00fcckte\u201c ich den H\u00f6rgr mit Lichtern, die alles rings um die Steine in ein warmes Kerzenlicht h\u00fcllten, w\u00e4hrend \u00fcber mir die hellen Sternbilder funkelten und meine Schritte im gefrorenen Gras knirschten. In den kleinen steinernen Opferbrunnen am Fu\u00dfe des H\u00f6rgrs stellte ich das Disenlicht, eine mit Wachs gef\u00fcllte und mit Docht versehene Metallschale. Dort stellte ich auch eine Schale mit Opfergaben zusammen mit dem Eidring nieder.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-795\" src=\"http:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8816-Kopie-500x366.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"366\" srcset=\"https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8816-Kopie-500x366.jpg 500w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8816-Kopie-768x563.jpg 768w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8816-Kopie-624x457.jpg 624w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8816-Kopie.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Heil\u2019ge Disen, wir rufen euch.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gabenspendende, Segen und F\u00fclle Sendende.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sch\u00fctzt \u00a0Haus und Hof<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und wirkt in Wald und Flur.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Frauen bringt ihr sichere Geburt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">la\u00dft Kinder wachsen und wohl gedeihen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gebt Schutz unseren Sippen und f\u00fchrt M\u00e4nner heil heim aus Gefahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nehmt Platz im lichten Saal und seid stets willkommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-797\" src=\"http:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8887-Kopie-500x360.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8887-Kopie-500x360.jpg 500w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8887-Kopie-768x553.jpg 768w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8887-Kopie-1024x738.jpg 1024w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8887-Kopie-624x449.jpg 624w, https:\/\/nordost.altesitte.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_8887-Kopie.jpg 1566w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n            \n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00edsarsalr ist eines dieser klangvollen Worte, die uns aus der altnordischen Zeit in den Sagatexten \u00fcberliefert wurden. Vom Wortklang her roh und archaisch, nicht aus dieser Zeit und g\u00e4nzlich unbekannt im allt\u00e4glichen Dasein. Und doch von rauher Sch\u00f6nheit und Harmonie. Jedenfalls in all jenen Ohren, denen der Klang von Ursprung und Widerborstigkeit keine Unbekannten sind, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[82,3,6,71,7,10,45],"tags":[83,84],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/793"}],"collection":[{"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=793"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/793\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":799,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/793\/revisions\/799"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nordost.altesitte.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}