Julfest & Wintersonnenwende – ein Rückblick

Ein Gastbeitrag

21.12.2017  Es ist soweit…..Ende und Anfang stehen so nah zusammen, wie niemals sonst im Jahr. Der dunkelste Tag, die längste Nacht standen uns am 21.12. bevor und am 22.12. begann der neue Kreislauf. Licht und Leben werden wieder stärker. Die Tage länger, die Nächte kürzer.

Bis wir das wirklich deutlich merken, wird noch etwas Zeit vergehen – aber die Tatsache als solche ist unumstößlich. Ich fühle bei dem Gedanken einen Anflug von guter Laune und Hoffnung auf bessere Tage. Ich gehöre zu den Menschen, die weder Angst vor Dunkelheit haben, noch denen Kälte etwas ausmacht. Trotzdem ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass die dunkelste Jahreszeit jetzt hinter uns liegt. Es hat was von Aufbruch. Und die Julzeit ist in vollem Gange, der Baum steht schon seit Tagen in der Wohnung und ist traditionell heidnisch geschmückt. Licht, das draußen wieder länger lebt und Licht das innen die Dunkelheit vertreibt. Leben und Tod – bzw. Licht und Dunkelheit – kommen sich sehr nah.

Im Haus wurden alle Lichter gelöscht, eine einzelne Kerze in einem Windlicht wurde entzündet. Mit diesem letzten Licht des alten Jahres gingen wir (Frau, Sohn, ich) aus dem Haus in den Garten. Das Holz war aufgeschichtet, das Sonnenrad aus Stroh und Holz lag bereit. Jetzt wurde die Kerze im Windlicht gelöscht. Unser gemeinsames „altes“ Jahr erlosch damit symbolisch. Dunkelheit und Stille. Einen Moment hängt jeder seinen Gedanken nach.

[…]

Es ist Zeit, das neue Jahr zu begrüßen und das Feuer zu entzünden. Zuvor wurde das Hammer-Ritual ausgeführt, in gebotener Kürze, aufgrund des sich ankündigenden Regens. Hammer des Nordens, weihe diese heilige Stätte und halte Wacht! Eine bereitstehende Wachsfackel wurde von meinem Sohn entzündet und mit ihr der Holzstoß, auf dem das Sonnenrad lag. Mit von mir gesprochenen Worten wurde der Bund für das neue Jahr bekräftigt. Nach diesen Worten am Feuer trank ich meinen Met aus dem Horn, mein Sohn trank sein Malzbier, meine Frau ihren Wein. Wir alle gossen danach einen Teil davon ins Feuer. Der Bund soll erneuert sein. Es gab in kleine Stücke geschnittenen von einem Freund selbst geräucherten Schinken in 2 Geschmacksrichtungen und geräucherten Gouda. Wunderbar, draußen am Feuer geräucherten Schinken zu essen, einfach klasse. Auch davon gaben wir unseren Teil ins Feuer.

Vor sich hin kauend war es geboten, sich nun auf das zu besinnen, was vor uns liegt.

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Schließlich brach ich das Schweigen brach und übergab meinem Sohn seine erste, eigene Axt. (hatte ich vorher im Gartenhaus versteckt) Mit von mir eingeritzten und gefärbten Runen; sein Name, Schutz- und Heilrunen. Fortan werden wir gemeinsam „Holz machen“, wenn er Bock hat, ein Feuer im Steinkreis zu machen. 10 Jahre sind ein gutes Alter um Verantwortung zu übernehmen und zu lernen, wie man mit scharfem Werkzeug umgeht, ohne dass es eine Gefahr darstellt. Seit Oktober besitzt er ja bereits ein eigenes Schnitzmesser. Er nahm sie mit Ehrfurcht und ließ sie den Rest des Abends nicht mehr los.

[…]

Schließlich nahmen wir Feuer aus dem Feuer, zündeten damit das Windlicht wieder an und trugen das erste Licht des neuen Jahres ins Haus. Ein neuer Lebenskreis hat begonnen. Wir setzten uns dann an den Tisch, gedachten der Verstorbenen dieses und der letzten Jahre und aßen noch Fisch und Brot. So war die Wintersonnenwende 2017.

Es hat sich in 2017 viel getan. Die Nähe zu meinen Göttern war spürbarer denn je und ich hatte ganz deutliche Hilfe. Ich selbst habe mich auch verändert und mehr gegeben, habe mit offeneren Augen gelebt und den auftretenden Widerständen die Stirn geboten – aber anders als früher. Ich kämpfe nicht mehr alleine.

 

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