Das Fest der Wintersonnenwende

Nun ist es wieder soweit, selten stehen sich Ende und Anfang so nah wie beim Julfest.

Julfest Misteln

Vor einigen Jahren begannen wir damit, die Wintersonnenwende in einer Hütte zu feiern. Und diese Tradition haben wir dieses Jahr wieder aufleben lassen. Also begaben wir uns mit Sack und Pack nach Niedersachsen in die Nordheide bei Hamburg. Die Fahrerei ist natürlich immer etwas vom Wetter abhängig, aber es lohnt sich: Die Hütte liegt an einem Fluß inmitten kleiner Wälder. So richtig abgelegen ist sie dennoch nicht, weil eine wenig befahrene Straße daran vorbei führt. Schöner wäre es natürlich völlig abseits, aber mit Kindern macht es das um einiges leichter.

Die Hütte ist aus senkrechten Stämmen aufgebaut, in deren Mitte sich eine runde Feuerstelle mit Sitzbänken befindet. Optimal für gemütliche Stunden. Zuerst brachten wir also unser Hab und Gut ins Innere, legten Decken und Felle aus, schichteten Feuerholz auf, stellten Kerzen und die mitgebrachten Speisen auf.

Julfest in der Köhlerhütte

Als die Dämmerung einsetzte und am Horizont das letzte Abendrot versiegte, löschten wir alle Lichter. Wir begaben uns nach draußen ans Flußufer. In einer Metallschale hatte ich einige trockene Holzstücke bereitgelegt, die ich mit Feuerstein und Messer entzündete; dies soll das Entstehen des neuen Lichtes im Jahreskreis symbolisieren. An diesem Feuer wurden jetzt die Wachsfackeln angezündet, was vorwiegend Aufgabe der Kinder war, während ein Vater auf seiner Rahmentrommel einen leisen Rhythmus schlug. Heja, das Licht des neuen Jahres ist entzündet!

Julfest

Doch bevor es in die Hütte zurückging, schlossen sich einige einleitende Worte an die Götter, Ahnen, Disen und Wesen des Ortes an. Im Fackelschein, begleitet im Takt der Rahmentrommel, hielten wir nun Einzug in die festliche Mitte der Hütte.

Der Festkreis wurde mithilfe der Hammerhegung eingeweiht. Dann wurden die Fackeln an den Holzstoß gelegt und im Knistern der emporsteigenden Flammen der traditionelle Feuerspruch aufgesagt:

Im Namen der Hohen Götter entzünden wir

das heilige Feuer der Reinigung und der Schöpfung.

Flamme wachse an Flamme,

daß Wärme, Licht und Kraft sich mehren

und nicht verlöschen vor der Zeit.

Vor dem lodernden Julfeuer folgten Festansprache und Anrufung. Auf Asentr.eu sind einige Anrufungen, Sprüche und Ansprachen mit freundlicher Genehmigung der jeweiligen Autoren zusammengestellt. Meistens gehe ich so vor, daß ich mir aus diesem Fundus die jeweils zu Fest und Anlaß passenden Zeilen wie Bausteine zusammenstelle. Zusätzlich sammle ich die Texte der Anrufungen usw. handgeschrieben oder in ausgedruckter Form in einer Ledermappe.

Hier möchte ich mal unsere Julfest-Anrufung veröffentlichen, mich aber auch keineswegs mit fremden Federn schmücken und erwähnen, daß dies eine Kompilation von Textausschnitten aus unterschiedlichen Quellen darstellt. Enthalten sind teils einige Worte, teils Fragmente aus Volksweisen, teils Stellen anderer Autoren, welche in der erwähnten Zusammenstellung auf Asentr.eu  zu finden sind. Wenn jemand damit Bauchschmerzen hat, bitte kurzen Hinweis an mich. Nun also unsere diesjährige Julfest-Anrufung:

Dies ist das erste Licht des neuen Jahres.

Wir danken den Asen und Wanen,
der Erde und den Ahnen,
den Müttern;
Schöpferinnen und Hüterinnen des Lebens,
das wir durch sie haben.

Heil sei dir, Erdflur, der Irdischen Mutter!
Sei du grünend in der Götter Umarmung.
Heil sei dir, Balder, rein und licht.
Mögen Licht und Leben wachsen und sich mehren
Im neuen Kreis des Jahres.

Heil Freyr, Freyja und Njörd.
Spender von Freude und Fruchtbarkeit,
gebt Frieden und gute Ernte,
Wohlstand und Kraft unseren Sippen,
die hier versammelt sind um das heilige Horn.

Wir bleiben dem Ew’gen verbunden,
ein jeder nach Alter Sitte Art.
Drum stehen wir in hohen Stunden
hell um’s Licht geschart.

Die Flamme leuchtet und kündet;
so soll unser Leben sein.
Im Ewigen ward’s entzündet,
ins Ewige wandert’s hinein.

Nun lasst Dank uns sagen in geweihter Nacht
für alles Heil und Gute, das uns die Götter gebracht,
was da gewachsen und gereift, gediehn,
was Regen nässte und Sonne beschien.
Lasst Dank uns sagen für Wolken und Wind,
für Brot und Frucht, für Ahn und Kind.

Du bist getreu, du ewige Kraft
die jährlich neues Werden schafft.

Ihr waltenden Mächte, hohe Asen und Wanen
erfüllt mit Freude und Frucht die Erde,
die Wiesen und Wälder mit Wachstum und Kraft!

Lasst unsere Werke wachsen und reifen!
Gebt Heil unseren Sippen und gute Ernte.
Heil Euch ihr Asen, Wanen, Elben und Disen!

Wir rufen Euch zum Winterblót
Und laden Euch zu Met und Brot
Wir bitten Euch um Freundschaft und Frieden,
für uns und unsere Lieben.

Den Göttern zu Ehren,
den Menschen zum Gedeihen.
Das heilige Band sei erneuert.

Rabengott, Herr der Wölfe,
Einäugiger Weifer – höre uns!
Opfergott, strahlender Siegvater,
Gungnirs Herr – höre uns!
Dunkler Wanderer, Walvater.
Komm von Hlidskjalf herab an dieses Feuer.
Dich wollen wir ehren
mit diesem Horn voll hellem Met.

Frigg – Fjörgyns Tochter und Odins Frau,
Balders Mutter
und Königin der Asen und Asinnen,
Schützerinnen der Frauen,
der heiligen Ehe und Eide!
Geselle Dich zu uns an dieses Feuer,
Dich wollen wir ehren mit unseren Gaben.

Heil sei Euch heilige Disen!
Gabenspendende, Segen und Fülle Sendende.
Ihr beschützt und beschenkt
Unser Haus und Hof.
Und wirkt in Wald und Flur.
Frauen bringt ihr sichere Geburt,
lasst Kinder wachsen und wohl gedeihen.
Führt Männer heil heim aus Gefahr.

Heimatliche Disen!
Gebt uns Schutz und Segen.
Lasst Heim und Hof gedeihen.
Beschützt unsere Kinder und gebt ihnen
Ein glückliches und erfülltes Leben.
Gebt Heil unseren Sippen.

Julfest in der Köhlerhütte

Danach folgte ein Sumbel in Form von drei Runden mit dem Methorn; die erste auf die Götter, die zweite auf die Ahnen und die dritte als freie, unbenannte Runde meist auf die versammelte Festgemeinschaft mit Ausblick auf das, was uns der neue Jahreskreis bringen möge. Das wird nicht nur Gutes sein, sondern auch Beschwerliches – zu überwindende Dinge und ja, auch Momente des Kampfes. Wir hoffen auf ein ausgewogenes Verhältnis.

 

Julfest Misteln

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