Unsichtbare Welt

In geheimnisvollen Grauschattierungen umspielen feuchte Nebelschwaden das fallende Laubwerk der Bäume. Ein frohes Farbenspiel bei Tag wird zum Wechselspiel von Licht und Schatten, einer faszinierenden Eleganz von hell und dunkel im schwindenden Licht – dem letzten Licht warmer Herbsttage, ja dem letzten Licht des Tages überhaupt, das mit dem nahenden Dunkel verschmilzt. Düsterer Abendhimmel im späten Oktober. Vollmond… oh wunderbare Winternacht…

Erntedank – die Festzeiten des Herbstes liegen zurück und gehören schon dem Vergangenen an.

Kahl werden bald die Zweige, die ins Dämmerlicht greifen. So wirken die Bäume wie Wesen zwischen den Welten… unter uns Menschen weilend. Die Winternächte überziehen das Land und hüllen es in das kühle Gewand des herannahenden Winters.

Die Winternächte (vetrnáttablót) bilden den dunklen Pol des Jahres und stehen somit dem Sommerbeginn (sigrblót) gegenüber.

Es heißt, in der Zeit der Winternächte sei der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und Toten, der sogenannten Anderswelt, besonders dünn. Generell wird an den Festtagen die Grenze zwischen den Welten durchlässiger. Im Volksglauben waren die Schwellenorte zur Anderswelt Stätten, die besonders mit der Vorstellung von Tiefe verbunden sind… Quellen, Brunnen, Teiche und Seen, Moore und Höhlen.

Vorstellungen, wie sie in vielen Mythologien zu finden sind, unter anderem in der keltischen. Hier wird die Nacht vor dem 1. November ’nos calan‘ (Nacht des Winteranfangs) genannt und als Samhain gefeiert. Viele dieser alten Vorstellungen begegnen uns heute noch in den Halloweenbräuchen. Irische Einwanderer nahmen diese Tradition mit hinüber in die neue Welt und von dort schwappte sie zu uns rüber.

Nach der Alten Sitte sind die Winternächte eine fließende Zeit und beschränken sich keineswegs nur auf einen festgelegten Festtag. Sie beginnen mit dem Oktober-Vollmond und reichen bis zum darauffolgenden Vollmond im November. Im Grunde schließt sich dann beinahe nahtlos die Vorjulzeit an, deren Höhepunkt zur Wintersonnenwende ins Julfest mündet, an das sich die Rauhnächte anschließen.

2 Gedanken zu „Unsichtbare Welt

  1. Jörmund

    Hallo Ingmar,

    sehr schön, dich in den Weiten des Netzes wiedergefunden zu haben, mit diesem sehr schönen Blog und ebensolchen Zeilen von dir.

    Liebe Grüße!
    Jörmund

    Antworten

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