Met selber machen

Der Artikel kommt spät, mehr als spät. Ich wollte ihn eigentlich in die Julzeit setzen, nun ist bald Ostara. Das eigentliche Thema ist allerdings eher zeitlos… es geht um das Selbermachen von Honigwein. Und das kann man bekanntlich jederzeit.

Der Aufhänger  sollte ursprünglich sein, daß pünktlich zur Wintersonnenwende unser 12 Liter Ansatz Met fertig geworden ist, unser Julmet sozusagen. Und da wir guten Freunden den einen oder anderen Schluck zukommen ließen, wurde ich auch nach dem Rezept und der Herstellungsweise gefragt. Kein Geheimnis, ganz im Gegenteil. Und darum soll es hier gehen. Kurz und bündig.

Allerdings kostet mich der Beitrag etwas Überwindung, zugegeben. Nicht weil ich die Lust verloren hätte oder insgeheim irgendwelche Geheimrezepte hüte… niemals… sondern weil’s einfach so eine Handvoll Themen gibt, die ich als vollständig abgegriffen empfinde, weil sie schon hundertfach in allen möglichen Foren, Webseiten, Blogs usw. durchgekaut wurden… Und das Selbermachen von Met ist ganz vorn dabei.

Die Redundanz ist ermüdend, hauptsächlich in öffentlichen Foren. Nicht nur Met, sondern vor allem auch andere Themen. Irgendwo wird wieder etwas über das Durchführen einer Kindsweihe, Eheleite oder irgendwelcher Jahresfeste gefragt. Obschon doch schon alles ausführlich beschrieben ist, nicht nur auf unseren Seiten. Auch auf anderen langjährigen Webseiten, dazu noch in einer Handvoll guter Bücher. Aber was soll’s, zurück zum Thema.

Es gibt 1000 Rezepte und Variationen, mit Gewürzen und ohne, mit viel Honig, mit wenig, Vielblütenhonig, Waldhonig, mit Apfel, hiermit und damit. dies und das… Aus diesem ganzen Getüddel lässt sich aber ein ganz einfaches Vorgehen ableiten, wonach es im Grunde jeder hinkriegt, wenn man sich nicht zu doof anstellt oder mit überflüssigen Reinigungsmitteln die Hefekulturen killt.

Doch auf der anderen Seite kann das Selbermachen von Met gar nicht hoch genug aufgehängt werden, wenn man mich fragt. Für die Alte Sitte gibt es kein kostbareres Gut. Und damit meine ich nicht das  geschwefelte 0815-Massenprodukt von irgendwo aus dem Nirgendwo. Denn es geht ja nicht allein ums Selbermachen, sondern um die Qualität, die ein lokaler Imker, der Wikinger seines Vertrauens oder andere verlässliche Stellen bieten. Oder wer würde seinen Gästen im Blót, seinen höchsten Gästen – den Göttern, Supermarkt-Firlefanz vorsetzen?

Inzwischen habe ich in über 17 Jahren schon alles Mögliche ausprobiert, nicht nur Met, auch Obstweine, Cider und vieles mehr. Dabei habe ich mich im Grunde immer an der klassischen Literatur zur Weinherstellung orientiert, wer also halbwegs im Thema steckt, wird sicher nichts Neues erfahren. Met setze ich nur noch nach der klassischen Methode an, keine Experimente, keine besonderen Kreationen. Hängt mir alles irgendwann zum Hals raus, daher einige Erfolgsfaktoren vorweg:

  • Mit der Qualität des Honigs steht oder fällt der Met. Daher NUR Imkerhonig, am Besten Vielblüte oder Raps. Lindenhonig kann ich aufgrund der starken Eigennote weniger empfehlen.
  • KEIN Honig aus dem Supermarkt oder EU-Mischung. Jetzt mag man inzwischen vielleicht schon mit den Augen rollen, aber neben dem regionalen Aspekt macht es sich auch geschmacklich bemerkbar. Auch am Trübstoffgehalt erkennbar.
  • Die Hefekultur wird in einem naturtrüben Apfelsaft (Gärstarter) zuerst vermehrt.

 

Grundlegendes Vorgehen:
1) Reinhefekultur Samos oder Portwein, kleines Fläschchen. Apfelsaft naturtrüb 1 Liter, davon ca. 0,15 Liter abgießen, Hefekultur rein und Deckel auflegen (keinesfalls verschließen). Halbdunkel und Zimmertemperatur, nicht zu warm. Nach wenigen Tagen sollte sich die Vermehrung der Hefezellen durch leichte Schaumbildung (erste Gärtätigkeit) bemerkbar machen. Zwischen 3 – 5 Tage stehen lassen.

2) Sobald der Gärstarter aktiv ist, kann die Honig-Wasser-Lösung vorbereitet werden. Mein bewährtes Verhältnis für etwa 12 Liter Ansatz: 4,5 Kg Honig in 8 L Wasser auflösen. Wasser in Topf erwärmen und Honig darin auflösen. Hinzu kommen noch Hefenährsalz und Milchsäure. Geht aber auch ohne. Das Honigwasser kommt in einen Gärballon.

3) BESONDERS WICHTIG ist die Temperatur des Honigwassers: Mindestens einen halben Tag abkühlen lassen, bevor der Gärstarter  hinzugegeben wird. Wenn zu warm (über 25 Grad), dann Hefen tot! Ein Thermometer gibt Sicherheit.

4) Der Gärballon, in dem sich das Honigwasser und der Gärstarter befinden, wird mit einem Gärröhrchen verschlossen. Das Röhrchen wird zur Hälfte mit Wasser gefüllt. Die Gärung sollte in den ersten 24 Stunden einsetzen, sonst besteht die Gefahr der Schimmelbildung.

5) Sobald es blubbert ist alles gut. Je nach Wärme (Sommer, Winter, Standort etc.) 1-3 Monate gären lassen. Standort nicht zu warm (nicht an der Heizung), nicht zu kalt – Faustregel wie immer: Zimmertemperatur.

6) Sobald man der Meinung ist, daß die Gärung vollendet ist oder die Gärzeit ausreicht (Restsüße erhalten), wird es behutsam abgegossen (oder abgezogen). In einen Eimer, dann in einen Topf, um es auf ca. 40-50 Grad zu erwärmen (Gärung abbrechen). Jetzt kann mit Honig nachgesüßt werden.

7) Geringe Zugabe von Kieselsol kann zur Klärung beitragen.

8) Ich fülle den jungen Met zunächst in den Gärballon zurück, den ich zuvor mit klarem Wasser ausgespült habe und lasse ihn noch einige Wochen zur Klärung stehen. Die Trübstoffe setzen sich dann am Boden ab. Mit Glück und Geduld erreicht man auf diese Weise schon einen sehr klaren Met.

9) Wenn man noch eins draufsetzen möchte, kann man den Met zum Schluß filtrieren. Im Fachhandel gibt es dazu ein handlichen Filterset mit Handpumpe. Mehr als einmal durch den Grobfilter mache ich meist nicht. Das Resultat ist beachtlich. Und weil die Trübstoffe auch einen muffigen Beigeschmach mit sich bringen können, hat das Filtern nicht nur optische, sondern in erster Linie auch geschmackliche Vorteile.

Habe ich etwas vergessen? Hmm, ich glaube das war’s soweit.

Ein Gedanke zu „Met selber machen

  1. Thomas

    Hätte ich nur die Zeit…..danke für diese sehr gute Beschreibung. Gerade hab ich einen MET offen, aus Heidenheim. HEIDENheim 😉 der is einerseits sehr lecker, andererseits verlangt es mich doch nach „selber machen“. Aber eines nach dem anderen. Jetzt wo das Wetter offen ist, beginne ich erst mal mit meinem Steinkreis im Garten. Dein Met-Rezept lege ich mir auf auf den Stapel der Dinge, die ich unbedingt noch mal machen möchte – und werde.

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