Gesund wandre den Weg!

Einige Gedanken von DAN zu meinem vorletzten Beitrag Gedanken zum Bau eines „Reise-Stallr“

Ein Gastbeitrag

Heute habe ich einen wunderbaren Tag draußen verbracht und ein wenig geschrieben. Der letzte Beitrag von ING hat mich dabei sehr inspiriert, da er mir sehr aus dem Herzen gesprochen hat. Wie so oft im Übrigen

Reise gesund, gesund komm wieder!

Gesund wandre den Weg!

Nicht fehle dir Weisheit, Vater der Menschen,

wenn mit dem Riesen du reden musst!

Mit diesen Worten verabschiedet Frigg Allvater Odin, als dieser zu einer langen Reise aufbricht, sich im Wissenswettstreit mit dem Riesen Vafþrúðnir zu messen.

Geschichten, in denen die Götter auf Wanderschaft gehen, wie das hier im Vafþrúðnismál der Fall ist, begegnen uns in den alten Überlieferungen mannigfaltig. Ihre Fahrten führen die Götter dabei auch nicht selten zu jenseitigen Zielen anderer Welten und eine der in der breiten Gemeinde wohl bekanntesten Eigenschaften Allvater Odins dürfte wohl die des grauen Wanderers sein. Ich denke, mit einer Wanderung wird zunächst ein jeder von uns ganz einfach die Absicht verbinden, von A nach B zu gelangen. Wir wählen dazu stets das Mittel, das uns angesichts der jeweiligen Absicht als das am besten geeignete erscheint. Wenn wir uns mit den Fahrten der Götter beschäftigen, wird schnell deutlich, dass die Überwindung bestimmter Grenzen ihrer folgenden, großartigen Tat voran geht. Dieser Aspekt hat mich an den Geschichten der Götter immer sehr begeistert. Denken wir neben dem bereits dargestellten Lied an Skaði, die aus dem winterlichen Gebirge nach Asgard zog, um die Götter zu fordern. Denken wir an Odins Reise in die Unterwelt, um die Zauberin zu befragen oder an Rigs Reise, die Stände zu schaffen. Die Geschichten sind zahlreich und großartig.

Die Reise über Grenzen hinweg ist etwas, das wir so auch selbst wahrnehmen, wenn wir mit den Göttern in Verbindung treten möchten. Die Wanderung zu einem heiligen Ort kann eine solche Erfahrung sein. Ein heiliger Ort kann sich uns auf ganz unterschiedliche Weise darstellen. Das kann ein Ort sein, den wir selbst durch eigenen Entschluss heiligen wollen. Als Bewohner einer einfachen Mietwohnung in der Stadt habe ich einen solchen Ort in der Wohnung in Form eines kleinen Altars geschaffen. Heilige Orte stellen sich uns meines Erachtens aber durch den Ort selbst dar, wenn unser Herz offen dafür ist. Ich würde sagen, dass es sich dabei um Orte handelt, an denen das Band zwischen den Welten sehr dünn ist und an dem das Wirken der Götter sehr stark zu spüren ist. Das kann sich sehr gut in einer Emotion äußern, die wir haben, wenn wir ihn entdecken. An einem solchen Ort können wir ein Blót abhalten und von dannen ziehen, manchmal lohnt es sich aber auch, ein wenig Arbeit zu investieren und aus einem solchen Ort ein Heiligtum entstehen zu lassen. ING hat über dieses Thema wahnsinnig schöne Beiträge verfasst. Die Begegnung mit den Göttern sollte meines Erachtens auch immer eine Sache des Herzens sein.

Du selbst nur kennst Deiner Seele Gedanken,

Dein Geist nur ergründet Dein Herz;

schlimmste Krankheit scheint es dem Klugen,

wenn ihn nichts mehr mit Freude erfüllt. 

Die Besonderheit eines Heiligtums außerhalb der eigenen Wände ist eben die Reise dorthin. Wenn wir unser Ritual als etwas begreifen, das uns befähigt, mit den Göttern in Verbindung zu treten und ihnen unsere Freundschaft zu bekunden, so sollte die Reise zu dem Ritual nicht weniger sein, als die Fahrt zu einer großen Tat. Zu der des Rituals. Als ich mit meinem guten Freund und Gefährten ING ein wunderschönes Blót bei klarstem Vollmond begehen durfte, habe ich es trotz der Sicherheit des eigenen Grundes als besonders schön empfunden, in stiller Besinnlichkeit einen kleinen gemeinsamen Weg dorthin zu gehen. Die Reise zu unseren Plätzen lebt nicht von ihrer Dauer oder ihrem Schwierigkeitsgrad. Sie lebt, wie so vieles in der Ásátru von unserer inneren Haltung und aus der Reise zu den Plätzen der Götter können wir auch viel für unser Leben ableiten.

In diesem Sinne – Ásaheill ok Vana

 

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