Das Bronzeschwert von Rossow – eine Opfergabe?

Vor einigen Jahren kamen mal einige Leute unter ihrer Käseglocke hervor und meinten, mir ihre Sicht der Dinge näher bringen zu müssen. Konkret ging es dabei unter anderem um die Frage, ob es denn nun Waffenopfer gegeben hätte oder nicht. Das klang in etwa so: Waffenopfer?! Sowas hat es nie gegeben! Nie wurde auch nur eine Speerspitze, ein Schwert oder ein Beil freiwillig den Göttern dargebracht. Und wenn doch mal etwas gefunden wird, dann waren es immer die Waffen der Feinde, nichts weiter als Kriegsbeuteopfer.

Soso. Ja sicher gab es auch Niederlegungen in Folge kriegerischer Auseinandersetzungen. Doch darum ging es primär ja gar nicht. Also entschied ich mich, das Thema insgesamt erstmal ein wenig zu sortieren – für mich selbst und auch für andere: Das Waffenopfer.

Nun liegt es nicht in meiner Natur, jemanden auf Gedeih und Verderb von etwas überzeugen zu müssen. Soll jeder für richtig halten, was man eben meint, daß es richtig sei – da bin ich ziemlich emotionslos, solange man mich damit in Ruhe lässt. Wenn aber jemand daherkommt und mich unbedingt überzeugen will, dann wäre es schon gut wenigstens die Spur eines belastbaren Arguments aus dem Ärmel schütteln zu können. Ich mein‘ ja nur… um sowas mal gegeneinander abwägen zu können oder zu prüfen und so… Ist dies jedenfalls nicht der Fall, werde ich schon etwas stutzig. Wie wohl die meisten…

Sei’s drum. Das war so anno 2013. Keine drei Jahre später im Sommer 2016 dann ein einzigartiger Fund: Das Erdreich Mecklenburg-Vorpommerns gibt das Schwert von Rossow  frei, ein über 2500 Jahre im Verborgenen liegendes und hervorragend erhaltenes bronzenes Vollgriffschwert.

Das einzigartige Schwert von Rossow

Weiter heißt es…

Der umgebende Boden wie auch das Fehlen einer Eingrabgrube ließen erkennen, dass der Fundort zum Zeitpunkt der Niederlegung unter Wasser stand und das Fundstück erst danach im Lauf der Zeit einsandete. Offenbar ist das Schwert dort bewusst, vermutlich als Opfergabe an die Götter, im Wasser versenkt worden.

Wird man die wahren Umstände jemals bis ins Detail lüften können? Natürlich nie. Doch allein die Tatsache, daß ein zufälliger Verlust eines derart kostbaren Statussymbols höchst unwahrscheinlich erscheint und keine Kampfspuren erkennbar sind, legt eine willentliche Handlung nahe. Somit ist also über diesen phänomenalen Fund hinaus der umgebende Kontext, in dem sich das Schwert befindet, das Besondere. Obschon es andererseits auch bedauerlich ist, so es sich denn um eine Opfergabe handelt, sie nun ein für alle Mal ihrer Stätte entrissen zu haben.

 

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