Reise ins Frühmittelalter – Wolin

Die Insel Wolin liegt im polnischen Westpommern zwischen dem Stettiner Haff und der Pommerschen Bucht in der Ostsee. Hier haben wir im Ostseebad Międzyzdroje (deutsch Misdroy) ein paar sonnige Tage verbracht.

Im Frühmittelalter (um ca. 800-1000 n.u.Z.) unterhielten die Wikinger reiche Handelsbeziehungen in diese Region und gründeten verschiedene Siedlungen. Die Jomsburg war eine der bekanntesten unter ihnen.

Auf der Insel Wolin gibt es auch die Stadt Wolin, das konnte ich am Anfang nicht so richtig auseinander halten. Wenn man aber einmal dort gewesen ist und ein Bild von der Umgebung gewonnen hat, wird’s klar. Von der Kleinstadt Wolin mit ihren unter 5000 Einwohnern gibt es eigentlich nichts besonders zu berichten. Man kann gut essen und trinken, die Leute sind freundlich, alles wirkt ordentlich und gepflegt (generell liegt sehr wenig Müll herum) – alles in Allem besteht kein wesentlicher Unterschied zu einer x-beliebigen deutschen Kleinstadt (wo häufig mehr Müll herumliegt).

Aber: Keine 1000 Meter östlich von Wolin befindet sich in direkter Sichtweite das archäologische Freilichtmuseum Jomsborg-Vineta , die Slawen- und Wikingersiedlung Wolin.

Und hier wird’s interessant. Denn an diesem ohnehin geschichtsträchtigen Ort findet seit 1993 das „Wolin Viking Festival“ statt, einer der größten internationalen Wikingermärkte überhaupt.  Dieses Jahr Anfang August.

Werfen wir also davon unabhängig einen Blick ins Innere der imposanten Festung.

Die reetgedeckten Bohlenhäuser sind allesamt vollständig eingerichtet, angefangen mit verschiedenen Inventaren des täglichen Bedarfs, Kochutensilien und Dingen zur Essenszubereitung bis zur Ausstattung eines Kriegerhaushaltes. Interessant waren auch einige Wandbehänge mit Runen.

Zu erwähnen sind auch die schönen Verzierungen der Häuser durch verschiedenste Schnitzereien.

Zentral im Mittelpunkt der Siedlung befindet sich das Heiligtum. Besonders interessant ist der mehrschichtige Aufbau der gesamten Anlage. Zuerst einige Meter entfernt außerhalb der Einhegung ist mir ein archaisch anmutender Holztisch aufgefallen, der scheinbar keine profane Funktion zu erfüllen scheint, da er abseits der Häuser auf der Wiese des Heiligtums steht. Mein erster Gedanke geht in Richtung eines Stallr – also vielleicht eine Art vorgelagerter Altartisch:

Sieht er nicht großartig aus? Einfach und natürlich erhaben. Dann folgt die eigentliche Kultstätte:

Der eigentlich ganz äußere Kreis wird von der Wiese vorgegeben. Auf dieser Wiese steht nichts Alltägliches herum, sie ist schon das Vorfeld des Heiligtums. Es folgt wie eben erwähnt eine Art Stallr mit Holzidol (hier auf dem Foto nicht zu sehen), dann die äußere Einhegung des Heiligtums mit verziertem Torbogen als Eingang und symbolisch ausgearbeiteten Eckpfosten (Wächter?). Man wird durch zwei Feuer hindurch schreiten müssen, die durch die beiden Feldsteinringe eingefasst werden (direkt hinter dem Torbogen zu erkennen). Mit dem Blick zum Mittelpunkt gerichtet steht man dann frontal vor einem mächtigen Holzidol, das interessanterweise auch noch mal von einem kultisches Gerüst umgeben ist, wie es auch auf der Seite „Altarformen einst und jetzt“ beschrieben wird. Davor liegt ein massiver Stein als eigentlicher Opferaltar. Ich muss sagen, dass ich schwer beeindruckt bin… ist diese Anlange mit all ihren Elementen doch wahrlich der Inbegriff eines heidnischen Heiligtums. Wie gern würde ich hier einer Opferzeremonie beiwohnen, im spärlichen Licht der Flammen umringt von unzähligen Menschen in den frühen Trachten dieser Zeit.

Auf dem Gelände verteilt befinden sich außerdem noch weitere Holzidole und kleinere kultische Ecken (auch in den Häusern), darüber hinaus auch noch einige detailreiche Runensteine, die ich jetzt nicht alle im einzelnen vorstellen möchte. Die Erklärungstafeln, die meist daneben stehen, sind durchgängig dreisprachig (PL, EN, D) – insbesondere für die Runensteine fotografiere ich sie immer ab; Fragen also gern einfach ins Kommentarfeld, ich beantworte sie gern.

Slawen- Und Wikingersiedlung Wolin

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