Das Nerthus-Idol bei Hamburg

Diese Woche startete ich endlich mal wieder eine Fahrt zum Nerthus-Idol, das in einem Waldstück im Sachsenwald bei Hamburg steht. Und beinah traf ich damit sogar einen Jahrestag, wie mir etwas später auffiel. Vor 7 Jahren am 20.08.2009 haben wir es aufgestellt und feierlich eingeweiht.

Am Nerthus-Idol

Damals war ich bei einer meiner Waldwanderungen auf diesen morastigen Bruchwald aufmerksam geworden. Man muss es sich so vorstellen, dass der eigentliche Wald im Bereich des Hauptweges normal trocken liegt, sich aber abseits des Weges leicht in ein Tal absenkt. Hier fließt die Schwarze Au durch den Sachsenwald. Der Bach hat in diesem Waldabschnitt den Vorteil, daß man problemlos am Ufer entlanggehen kann, obwohl alles Drumherum äußerst sumpfig und teils unpassierbar ist. Das Nerthus-Idol liegt so versteckt, daß man es trotz genauester Wegbeschreibung leicht übersehen würde. Damals befand sich an dieser Stelle ein frisch umgestürzter Baum, eine Erle denke ich. Wir sägten die ca. 2,5 Meter umfassende Astgabel heraus, gruben mit einem Klappspaten zwei Löcher in den Morast und wuchteten es rein. Was ich an dieser Stelle mit wenigen Sätzen beschreibe, erstreckte sich über Stunden unter Aufbringung all unserer Kräfte… und so sahen wir nachher dann auch aus. Die Mückenschwärme waren nur mit Insektenspray zu bändigen. Erstaunlicherweise trieb der Stamm ein Jahr drauf sogar neu aus. Wahrscheinlich war die Rinde beim Aufstellen noch frisch genug. Für eine neue Wurzelbildung, wie man es z.B. von Weidenstecken kennt, hat es aber leider nicht gereicht. Inzwischen eher im Gegenteil, das Idol ist sichtlich gealtert und die einst noch frische Rinde zeigt erste Verfallserscheinungen. Dennoch steht es nach all den Jahren sicher und fest, das Kernholz scheint intakt zu sein.

Am Nerthus-Idol

Zuletzt war ich 2012 dort und das ist mittlerweile auch schon wieder vier Jahre her. Diese lange Zeitspanne erklärt sich aus unseren Lebensumständen; Kinder, Familie, Umzug aufs Land, Hausbau etc. . Zur Vorgeschichte muß man wissen, daß das Nerthus-Idol im Rahmen einer damals noch existierenden Blót-Gemeinschaft entstand (Hammaburg-Herd in der Ingävones – Landgilde Nord im Verein für Germanisches Heidentum). Aber alles hat seine Lebenszeit und so steht das Nerthus-Idol als sichtbares Zeichen für einen fruchtbaren, schaffensfrohen Zeitabschnitt – bis es eines fernen Tages selbst vergeht. Bleiben werden die Sümpfe an der Flußniederung, Tore in eine andere Welt, Eingänge zur Unterwelt, zur Nerthus, zur Hel…

Am Nerthus-Idol

Das sich stets wandelnde Antlitz des Idols (und irgendwann wohl auch das Vergehen) läßt sich in Gesichter der NerÞus verfolgen. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz: Im Winterwald läßt sich der Untergrund durch die Schneedecke nur schwer erkennen und erschwert an vielen Stellen das Durchkommen, doch das helle und zugleich karge Gesicht des Winters ist einzigartig. Im Frühjahr wird’s dann meist sehr feucht, der Wasserstand steigt, was sich zum Sommer hin wieder reguliert. Sobald der Herbst seine  Farbenpracht ausbreitet, bietet er unvergleichliche Stimmungen aus würzigem Blätterduft, herben Noten aus Erde und Morast, Nebel in den Zweigen und überall ein Hauch Melancholie. Jetzt im Sommer ist eigentlich die „neutralste“ Jahreszeit, wobei gerade in den frühen Morgenstunden ein tiefes Schweigen über der sumpfigen Waldlandschaft liegt. Satter Dunst steigt auf, in dem sich die ersten Sonnenstrahlen abzeichnen, während Tautropfen in Farnen und Gräsern glitzern. In der Weite des Waldes lassen sich Gestalten schwer erkennen; ist das dort hinten äsendes Wild, womöglich eine Rotte Wildschweine oder doch nur die baumstumpfartigen Überreste eines fauligen Baums…? Diese Eindrücke machen die Wanderung entlang der Schwarzen Au zum Nerthus-Idol jedes Mal auch ein wenig unheimlich.

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