Stallr

Vor einiger Zeit wurden mir zwei Stücke Schnittholz aus einer Eichenbohle geschenkt. Sägerauh, recht klobig und schwer. Nun habe ich mir eins davon vorgenommen, etwas zugesägt und geschliffen, damit die Maserung überhaupt erst mal richtig zum Vorschein kommt. Und was ich damit vorhabe: Ein neuer Stallr wird’s, wenn’s fertig ist.

  • Valknut wird geschnitzt

Stallr (oder Stalli), das ist im Altnordischen der heidnische Altar. Schon um 900 beschrieb ein Skalde einen schwedischen König als vörðr vé-stalls, Hüter des Altars im Heiligtum. Auf dem Stallr befand sich unter anderem der stalla-hring, wie es in einigen Sagas heißt; der Altarring, auch Eidring, Schwurring oder Tempelring genannt. Ringe spielten ja generell eine große Rolle bei den Altvorderen. Zum Beispiel vergab der König Ringe an seine Gefolgsleute, um sich ihre Treue zu sichern. Ring und Gefolgschaft. Als „größter Ringspender“ gilt Odin mit seinem Draupnir.

Archäologisch steht der Name Eidring für eine bestimmte Gattung goldener oder auch bronzener Handgelenkringe. Mehrere dieser Ringe, die bis in die nordische Bronzezeit zurückreichen, wurden bei Kultstätten gefunden, weshalb ein kultischer Zusammenhang angenommen wird.

Interessant ist ein in der Landnámabók zitierter Rind-Eid, in dem die Götter als Zeugen angerufen werden:

Ek vinn eið at baugi, lögeið, hjálpi mér svá Freyr ok Njörðr ok hinn almáttki áss.

Ich schwöre einen Eid, einen rechtskräftigen Eid, es helfen mir Freyr und Njördr und der allmächtige Ase.

Dem Eidring werde ich mich in einem späteren Artikel ausführlicher widmen. Zunächst zurück zum Stallr. Aus Gründen der Robustheit habe ich mich gegen filigrane Knotenverzierungen entscheiden, auch wenn ich sie sonst sehr mag. Die Mitte wird „lediglich“ ein Valknútr (Valknut) zieren, auch Wodansknoten oder Hrungir-Herz (von Hrungnir). Dabei ist „lediglich“ schon fast der falsche Ausdruck, bei so einem mächtigen Zeichen, das in Verbindung mit Odin steht – dem Gott der bindet, dem Ringgeber mit all seinen Facetten.

Meine Gründe zur Auswahl gerade dieses Symbols reichen in eine Zeit zurück, in der wir uns gerade mitten in der Vorbereitung für unseren Umzug auf’s Land befanden. Wir erlitten damals einen herben Rückschlag, den wir glücklicherweise erfolgreich überwanden – in Verbindung mit einer mir sehr kostbaren Opfergabe, einem eigenhändig gefertigten Ger. Dies brachte darüber hinaus den reinigenden Effekt mit sich, daß einige Leute, die uns gegenüber  zunehmend neidvoll und mißgünstig eingestellt waren, unser Umfeld verließen. Was sie natürlich in ihrer Neugier nicht davon abhält, weiterhin auf meinen Seiten zu lesen. Daher eingangs auch: Til árs ok friðar – all jenen, die mit uns sind. Die Dualität zwischen Streit und Frieden sehe ich als völlig normales Element im Weltbild der Alten Sitte. Den Göttern sei Dank, allen voran Odin… in mehrfacher Hinsicht also.

Anlaß zum Bau eines neuen Stallr gab mir die Einsicht, für den Hörgr auf unserem Grundstück einen robusten Stallr zu benötigen, der den ständigen Wettereinflüssen trotzt. Ich habe ja bereits zwei andere, die von ihrer Bauart her jedoch bewußt leichter konzipiert sind und sich weniger für den dauerhaften Einsatz im Freien eignen. Sie lassen sich durch einfache Stecktechnik leicht auf- und abbauen, damit ich sie komfortabel im Blót-Rucksack transportieren kann.

Dieser Rucksack enthält all meine Utensilien für ein Blót, was mir lästiges ein- und ausräumen sowie Planungsaufwand erspart. Außerdem läßt sich damit unwegsames Gelände besser durchqueren, wie beispielsweise Bruchwaldlandschaften oder verschneite Wälder. Vor einigen Jahren bin ich zum Beispiel mal frühmorgens zu einer slawischen Wallanlage gewandert, tief im Wald versteckt. Ich baute meinen Stallr mit zwei Feuerschalen auf und führte ein Blót durch. Mit einer schweren Eichenholzbohle im Gepäck wäre sowas keineswegs denkbar. Für den Hörgr zu Hause hingegen schon. Hier brauche ich keine maßhaltigen Holzsteckverbindungen. Einmal aufgestellt, bleibt er da und kommt höchstens im Winter in den Schuppen.

Ein Gedanke zu „Stallr

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